"Kein Stress!"

Adrenalin strömt aus dem Nebennierenmark und lässt mein Herz schneller schlagen. Die Atmung erhöht sich, der Blutdruck steigt, es bilden sich Schweißperlen auf meiner Stirn. Alles klare Anzeichen für eine Stressreaktion. Jipieee!

Schon vor Jahren hat die medizinische Gemeinschaft Stress zum Feindbild erklärt. Er begünstigt Herzkreislaufprobleme und schwächt das Imunsystem. Stress = Gift! Und muss bewältigt werden. Wir müssen Ruhe suchen - Stress vermeiden ist das A und O für ein langes (und höchstwahrscheinlich ziemlich langweiliges) Leben. Wir interpretieren das Stressgefühl als Angst, dem Druck der Situation nicht gewachsen zu sein.

Neueste Forschungen zeichnen nun aber ein ganz anderes Bild: Es ist wie so oft die persönliche Sichtweise entscheidend. Denn wer die jedem bekannten Stresssymptome nicht als ungesund deutet, sondern als natürliche Maßnahme des Körpers, um die bevorstehende Situation zu bewältigen, neutralisiert die ungesunden Nebeneffekte gleich mit. Stress als Partner in Crime - als Freund und Helfer um die anstehende Herausvorderung zu meistern! Alleine durch diesen Perspektivwechsel bleiben die Herzkranzgefäße entspannt und verengen sich nicht wie in Angstsituationen. Das physiologische Bild ist nun vergleichbar mit dem von Freude oder Mut! Außerdem macht uns Stress emphatischer und sozialer. Das Hormon Oxytocin, welches in Stresssituationen ausgeschüttet wird schärft den sozialen Instinkt. Wir suchen den Kontakt und die Unterstützung unserer Mitmenschen, wodurch die Kooperationsfähigkeit und die Beziehungen zu Menschen die uns wichtig sind gestärkt werden. Als Nebeneffekt wirkt Oxytocin Entzündungshemmend und schützt das Herzkreislaufsystem vor den Nebeneffekten des Stress. Das Stresshormon stärkt das Herz durch die Regeneration von Herzzellen! Dieser Effekt wird durch soziale Interaktion noch weiter verstärkt.

Vor allem wenn mich Kollegen beschreiben, werden mir immer wieder die selben Attribute zugeschrieben. Ruhig und gelassen - entspannt und stressresistent. Wie kommt es also, dass ich in den meisten Stresssituationen weitestgehend gelassen und panikfrei reagieren kann?

Ganz einfach: Konditionierung! Als ich vor -zig Jahren mit meiner damaligen Punk Band das erste Mal auf der Bühne stand, war dies eine enorme Überwindung. Doch die stetige Wiederholung solcher Herausforderungen hat geholfen, meine Sichtweise auf stressige Situationen grundlegend zu verändern. Ob Präsentationen halten, chaotische Shootings koordinieren, oder ruhig bleiben wenn ich merke, dass sich ein Taschendieb in der Einkaufsmeile St. Petersburgs bereit macht, meine Kamera zu klauen. Die Anzeichen sind immernoch die gleichen: Schneller Puls, erhöhter Blutdruck, der Drang zu handeln (Fight-or-Flight Response). Aber die positive Sichtweise lässt Distress zum Eustress werden. Ich fühle mich bereit für die Aufgabe, gehe über in den Lösungsmodus und stelle mich bewusst dem Problem. So kann ich der Situation, so negativ sie auch erscheinen mag, immer etwas positives abgewinnen.

Wen Stress also lähmt, verängstigt, oder gar panisch macht, dem möchte ich 2 Tipps geben, um gelassener damit umgehen zu können:

1. Suche und bestreite Herausvorderungen - immer wieder.

2. Ändere deine Perspektive auf diese Situationen - damit machst du Stress zu deinem Freund.